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Mrz 04

CC – Die spielbare Tropenkankheit?

Nachdem es nur noch eine Gruppe von Spielern gibt, die bereit sind mit mir in den Kampf zu ziehen ohne mich mit Hasstiraden zu beglücken, ist es nun an der Zeit das Gleichgewicht der Welt erneut herzustellen und auch diese Gruppe noch gegen mich aufzubringen.

Das Thema CC´ler! Was klingt wie ein Spieler der von seiner letzten Dienstreise nach Fernost nicht nur eine gepflegte Syphilis mitbrachte, sondern das Pech hatte auch noch eine zusätzliche Krankheit zu ergattern, hat mit einer Tropenkrankheit nichts gemeinsam. Nun gut zumindest mit den Tropen nicht.

Wenn Tanks die Versandwarenfachangestellten unter den Onlinerollenspielern sind, darf man die CC´ler problemlos als Sozial- und Ethikreferendare an Grundschulen bezeichnen. CC´ler sind duldsam, ein wenig fahrig und halten virtuelle Gewalt nicht für ein probates Mittel um Konflikte in Rollenspielen zu lösen. Rollenspiel ist hier das Stichwort, CC´ler sind oft fanatische Rollenspieler, das natürlich nicht grundlos. Der erste fast schon ersichtliche Grund, in ihrem Studium zum Ethiklehrer haben sie gelernt, dass Rollenspiele helfen eskalierender Gewalt aus dem Wege zu gehen.

Grund zwei, sie haben keine andere Möglichkeit. CC-Klassen haben ihren Namen durch die sogenannten „Crowd Control“-Skills. Also Skills mit denen es möglich ist, Feinde zu wurzeln, zu verlangsamen, zu verwandeln oder einzuschläfern. Klingt verwandeln noch recht spaßig, wird schnell klar, eine endgültige Lösung stellt dies nicht dar. Verwandeln sich doch dank der intelligenten Spielmechanik die Verwandelten nach kurzer Dauer wieder zurück.

Klar, man stelle sich einen Rollenspielserver vor auf dem CC´ler beispielsweise die Möglichkeit hätten Feinde dauerhaft in Schafe zu verwandeln. Schnell gäbe es nur noch Wollpullover im Auktionshaus und der einzig sinnvolle Beruf neben dem des Schneiders wäre der des Kochs, denn er kann Mate-Tee herstellen. Das mag für CC´ler eine wunderschöne Spielwelt sein, für den Normalspieler jedoch nicht.

Gut, also werfen wir mal einen genaueren Blick auf das Kampfverhalten eines CC´lers. Wie erwähnt werden Gegner eingeschläfert oder verwandelt. Ein recht bekanntes Spiel bot die Chance, die armen Gegner ins harmlose Schafe zu verwandeln. Daraus entwickelte sich das Kunstwort „sheepen“. Und nein liebe Schotten, das geht nur in Rollenspielen… also Computerrollenspielen. Rift hingegen geht einen anderen Weg, so kann man hier Gegner in Eichhörnchen verwandeln!

Eichhorn? Entschuldigt wenn ich etwas stutze, wollten die Entwickler uns wirklich dazu nötigen im TS das Wort „squirreln“ zu nutzen? Ich freu mich auf den ersten Raid, in dem der Raidleiter folgenden Satz sagt:

Ok, den Schamanen setzt der Schurke in den Zapp, der Dicke wird getankt und der da links, den macht der Beherscher „horny“!

Na ok, ehm Trion… Drogen bitte teilen und wie sehen bei euch die Sekretärinnen aus?

Egal, ich schweife ab. Also da wurde ein Gegner verwandelt. Der CC´ler blickt im Bestfall gebannt auf das Kurzzeit-Tier und auf den Cooldown seiner Fähigkeit um dies zu wiederholen. Ja ich sagte im Bestfall, denn ab und an überkommt den CC´ler der Neid und er packt sein gesamtes Schadenspotenzial aus, um die DD´ler (Damage Dealer) bei ihrer Arbeit zu unterstützen. Das ist von der Sinnhaftigkeit zwar etwa so, als würde man einen Eiswürfel aus seinem Kühlschrank nehmen, ihn per Privatjet die Arktis fliegen, dort in die Freiheit zu entlassen um so zu versuchen die Erderwärmung zu stoppen, aber witzig anzuschauen ist es trotzdem.

Bäääääm * Krit! 20…

Schon im Solospiel ist das amüsant, trifft man doch immer wieder CC´ler an denen bereits Moos wuchert, und leichte Erosionserscheinungen eingesetzt haben. Ihnen gegenüber ein quicklebendiges Eichhorn, das Nüsse für den Winterschlaf einbuddelt.

Im Gruppenspiel hingegen, spielen sich CC´ler in einen ungeahnten Rausch. Ein schrumpfender Lebensbalken bei Gegnern. Realitätsverlust, Freude und Mate-Rausch übernehmen nun die Kontrolle. Leider vergisst der CC´ler unterdessen natürlich seine ursprüngliche Aufgabe, „gelangweilt auf Ziegen starren“. Schwups wird aus dem Tierchen wieder ein Berserker der umgehend den CC´ler und anschließend den gesamten Schlachtzug über die Wupper schickt.

Um einen befreundeten Mitspieler zu zitieren: Was nicht mit Schaden geht, geht mit mehr Schaden!

Man würde also im Gruppenspiel auf CC´ler verzichten und sie ihren Rollenspielen à la: „Hey du bist jetzt ein Tier und wir spielen Fangen“ überlassen, Würden nicht ach so findige Entwickler auch für diese Klasse eine Daseinsberechtigung erfinden. Die Rede ist vom herzallerliebsten Buff. Schwierige Bosse haben IMMER Buffs, also Fähigkeiten die sie stärker werden lassen. Diese kann natürlich, wer hätte es gedacht, einzig der CC´ler entfernen. Nach 2 Stunden Instanz kommt dann der legendäre Satz:

Ehm, sorry Leutz den hab ich nicht ausgerüstet… ich bin auf Schaden!

CC´ler sind also im Grunde eine Spielmechanik, eine Instanzgruppe um ein sinnvolles Mitglied zu erleichtern und durch einen Tierliebhaber zu ersetzen. Welch teuflischer Plan der Entwickler. Dass sich jedoch immer wieder genug Spieler finden, die sich dieses Martyrium antun, finde ich bewundernswert.

Es grüßt alle CC´ler,

Euer Erzkanzler

 

  • Tolle Ausfuehrungen! Ich werde mich damit mal intensiver beschäftigen! Freue mich auf weitere Eintraege!

  • che

    Lustig, aber natürlich etwas weit hergeholt 😉
    Das nette Eichhörnchen gibts nämlich für lau als dritte Seele des Beherrschers.

    Auch kann man das kleine wuselnde Tierchen aus den Augenwinkeln beobachen während man mit eine ausgeskillten Schadenseele fröhlich auf die bösen Möbse eindrischt. Debuffen kann mindestens auch der Elementarist und das auch noch ganz automatisch beim zaubern seiner Eisladungen 😉

    Grüsse