«

»

Mai 03

Warum einfach nicht einfach einfach ist!

Damals… oh meine Güte nun fängt der schon so an! Aber ja ab und an muss das auch mal herhalten. Es gab Zeiten da war Teamwork und die Möglichkeit gemeinsam etwas zu erreichen wichtiger als der schnelle Erfolg. Ich erinnere mich an meine ersten Begegnungen mit dem Thema Online-Games. Ein sogenannter Taktik-Shooter mit dem huldvollen Namen Tribes. Weit ab vom heutigen Ein Spieler – Eine Armee Shooter in welchem Teamwork nur noch ein Wort ist das skilllose b00ns im chat brüllen wenn sie mal wieder nichts gebacken bekommen.

Ja meine Lieben, lasst euch sagen diese Zeiten gab es. Heute ist davon wenig geblieben. Musste man früher stundenlang Taktiken ausprobieren, sich mit anderen Spielern absprechen, flexibel auf Situationen reagieren und auch viele Misserfolge hinnehmen, so glänzt die heutige Spielwelt durch mein Unwort der Spielebrance: Casualisierung!

Was so harmlos klingt, bringt in der Spielewelt und besonders in MMO´s mehr Probleme mit als man sich vorstellen kann. Nehmen wir als Beispiel mal… ja genau nehmen wir doch einfach mal Rift. Da gibt es normale Instanzen, dann gibt es Experten-Instanzen und dann gibt es noch die bösen Experteninstanzen. Dann noch einen Raid und einen bösen Raid. Man könnte meinen alle wären zufrieden, sind doch alle Schwierigkeitsgrade bedient.

„MÄÄÄÄHHHH!“ schreit das Schaf und schaut auf die grüne Wiese des Nachbarn.

Machte Rift bis dato viel richtig und ermöglichte es den Spielern in ungewöhnlichsten Gruppenaufstellungen und Ausrichtungen in Instanzen zu gehen, so scheinen wir an einem Punkt der marktwirtschaftlich wohl dermaßen interessant ist, das der Marketingfachmann sein Sushi kaum noch herunterwürgen mag. Die Spielerzahlen stagnieren!

Gründe dafür gibt es unzählige und sei es nur das der Markt gesättigt sein könnte. Die Konsequenz hingegen ist erschreckend. CASUALISIERUNG ftw (for the win)! Den Spielern ist das Spiel einfach zu schwer! Experten-Instanzen müssen von jedem Spieler innerhalb kürzester Zeit bewältigt werden können, sonst verlängert er sein Abo sicher nicht!

(Experte, von lateinisch expertus ‚erprobt‘, (auch Fachmann/Fachfrau, Pl. Fachleute , Fach- oder Sachkundiger, Spezialist))

Wäre diese Einschätzung der Spielsituation nicht schon zumindest fragwürdig, muss man sich zumindest fragen lassen warum die Inhalte bereits kurz nach Release des Spiels leichter gemacht werden sollen. Sind all diejenigen die die Experteninstanzen spielen so viel besser? Waren die Inhalte von Anfang an zu schwer? Warum schaffen andere diese Inhalte? Investieren sie mehr Zeit?

Nun ja Zeit, das dürfte wohl ein wichtiger Punkt sein. Kommt der Familienvater doch nach 8 Stunden Arbeit, Einkauf, Abendessen mit der Frau, Kindchen ins Bett bringen und ihnen eben noch das Märchen „Der Faule und der Fleißig“ vorlesend, kaum noch dazu anständig zu spielen.

Der Umkehrschluss ist dann doch Sonnenklar! Schnell im Forum beschweren, wie kann der Hersteller es nur wagen das Spiel so anspruchsvoll zu machen?

Spiele bringen schnell mehr Emotionen auf den virtuellen Tisch als wirklich sinnvoll. Also bleibt mir mal wieder nur die Freude es an einem völlig sinnlosen, an den Haaren herbeigezogenen Beispiel deutlich zu machen was mich ganz persönlich an „Casualisierung“ stört.

Mein Vater spielt seit über 40 Jahren Gitarre. Ich war 17 und dachte mir ich werde der nächste Eddie Van Halen, alles was dazu nötig sei, wäre eine coole Frisur und… wer hätte es gedacht, eine schnittige Gitarre. Mein Geburtstag nahte und mit glänzenden Augen packte ich eine goldene Les Paul-Nachbildung aus. HALLO? EINE LES PAUL NACHBILDUNG? Ich wollte doch nicht der nächste John Denver werden… Eddie… hier dingens mit evil und „Runnin‘ With the Devil“!

Ok das ist eine andere Geschichte, lassen wir dieses Trauma lieber ruhen und kommen zum Punkt. Ich war so weit, ich hatte eine Frisur, ich hatte eine Gitarre und ich wusste wie man eine Bierflasche mit dem Feuerzeug aufmacht. Rockhimmel ich bin auf dem Stairway in den Popolymp.

Zwei ziemlich jämmerliche Wochen später, die mit dem Satz meines Vaters: „Hier ist eine Akkordtabelle, lern die dann sehen wir weiter!“ begonnen hatten, wurde mir langsam aber sicher klar, das mit dem Bierflaschen öffnen war ne ganz andere Nummer als Gitarre spielen.

Ich weiß nicht ob der taiwanesische Gitarrenhersteller meiner Les Paul-Nachbildung ein offizielles Internetforum gehabt hat… doch die Idee mich dort aufzuregen das das Spielen ihres Instruments einfach viel zu schwer wäre, ich es aber nur unter der Voraussetzung gekauft hätte binnen kürzester Zeit auf Tour zu gehen um mit meine Groupies im Bus viel Spaß zu haben… nun ja die Antwort hätte ich zu gern gelesen. Vielleicht hole ich das noch nach sollte mir einfallen wie der Hersteller hieß.

Computerspiele sind ein Hobby, und (ja da kommt´s schon wieder) damals, war ein Hobby etwas in das man Zeit investieren musste um wirklich gut zu sein. Nur dann kam man in den vollen Genuss aller Annehmlichkeiten. Wer nach zwei Wochen Akkordtabelle mal auf einer Party zur Gitarre gegriffen hat, der weiß was ich meine… Mitleidsex ist nicht das selbe wie Groupies im Tourbus.

Aber das zählt heut alles nicht mehr, es zählt nicht die Zeit in der man das Spiel entdeckt, es zählt nicht etwas lange versucht zu haben und es dann letztendlich mit hängen und würgen zu schaffen, es zählt nicht wie leer und langweilig sein Spiel wird wenn man alles gesehen hat, einzig das man auch die geilen Sachen hat die auch die Anderen haben! Also Tourbus-Groupies her und zwar ZACK ZACK!

Und ja die geneigten Leser mögen recht haben, ich rede nur so daher weil ich schon in den schweren Instanzen war. Aber da war ich nicht weil ich gejammert habe, da war ich weil ich mir Gleichgesinnte gesucht habe, weil ich Zeit investiert habe, weil ich viel gelesen habe, weil ich selber Instanzen geführt habe und weil ich mir auch nicht zu fein bin mal als Supporter eine Gruppe zu unterstützen. Weil ich eine eigene Gilde aufgebaut habe (ein ganz fettes Dankeschön an alle fleißigen Offiziere und Helfer die mir das ermöglicht haben). Wer nun urteilen will, nein ein Großteil unserer Spieler kann auch nur Abends mal 2-3 Stunden. Na und? Wenn nicht diese Woche dann eben nächste. Die Zeiten in denen wir auf neuen Content warten, werden kommen, das ist so klar wie das Amen in der Kirche!

Wer „Casualisierung“ fordert, darf sich nicht wundern wenn die tollen Sachen die man unbedingt gesehen haben will, die tollen Items die man haben wollte und die tollen Inhalte plötzlich nur noch Alltag sind. Würden zwei Wochen Akkordtabelle üben, ausreichen um mit Eddie auf einer Stufe zu stehen… ich denke fast für so viele Idole haben wir gerad nicht genug Groupies auf Lager.

So, dann mach ich mir mal ne Flasche Bier auf (ja ich kann das mit dem Feuerzeug) und ach schau da pling, sproing, klimper… geil wo ist mein Haarspray! Eddie warte, ich hab sie gefunden!

  • Luusziel

    Du sprichst mir aus dem Herzen, auch wenn es schwer ist, aber die Freude endlich nach einem Lauf, der spannend stressig und begleitet von heftigem Herzrasen war, doch noch den sperrigen Boss gelegt zu haben, macht für mich auch den Reiz und den Spass an einem Spiel aus. Was hab ich von einer Instanz, wenn sie zum langweiligen Dayli-Questen verkommt.
    Ein klares JA für schwere Aufgaben, die man am Ende nur gemeinsam bewältigen kann!!

  • Grischu

    Sehr schön geschrieben und sehr wahr !

    oder nach dem Leitsatz von WOW. Count the money, not the fun.

  • Das RIFT schwieriger sein soll als WoW war für mich neben den ganzen verschieden Seelen einer der Hauptgründe warum ich mir das Spiel mal angesehen habe. Als es dann zum ersten Mal hieß „Eisengrab inc!“ war ich vom Schweirigkeitsgrad richtig begeistert. Ich musste sogar CDs benutzen!

    Andererseits kann man die, wie du es so schön nennst, CASUALISIERUNG ganz gut nachvollziehen und sollte auch als anspruchsvoller Spieler etwas Verständnis dafür haben. So ein MMORPG zu basteln kostet nunmal einiges. Ich hoffe einfach das die große Nerfkeule für bestehenden Content erst geschwungen wird sobald neuer Content erscheint der mindestens so anspruchsvoll ist wie die RIFT Dungeons zu Anfang waren. Wem das zu schwer ist kann schließlich WoW spielen… :X

  • Medea

    Hm. Und weil ja alles so einfach ist, liegt Akylios auf Akala ja auch schon so lange, oder? 😉
    Wenn doch alles viel zu einfach ist, warum hat auf Akala noch keine Gilde Hammerhall durch (nein… auch deine nicht) oder den neuen Splitter „Aufstieg des Phönix“? Ist wohl doch nicht alles so leicht und ohne Taktik hinzubekommen, oder?

    Das Beispiel mit dem Gitarre-lernen ist auch völlig unpassend.
    Wer sich die Mühe macht, Gitarre spielen zu lernen und irgendwann mal richtig gut ist, der hat sein ganzes Leben lang etwas davon. Was hat dagegen ein Spieler, der sich die Mühe macht, ein hammerschweres MMO zu spielen und die schwersten Bosse zu legen, wenn eines Tages die Server abgeschaltet werden? Richtig: Überhaupt nichts.
    Darüber sollte auch mal nachgedacht werden.